In einem vielbeachteten Interview zeichnet der Ökonom Dr. Markus Krall den Weg vom Ende der…
Ein Markt zulasten der Anleger – die Studie zum grauen Kapitalmarkt
Eine im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands erstellte Untersuchung – dokumentiert unter anderem bei der Stiftung Warentest/Finanztest – nimmt den grauen Kapitalmarkt auseinander: Privatanleger sind dort strukturell benachteiligt und tragen im Ernstfall fast das gesamte Risiko allein (Studie vom 15. Dezember 2022).
Als „grauer Kapitalmarkt“ gilt der weitgehend unregulierte Teil des Kapitalmarkts jenseits von Aktien und Anleihen: Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen, Direktinvestments oder geschlossene Beteiligungen. Vieles davon kommt ohne Erlaubnispflicht und ohne laufende Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus. Die Studie hat die zehn größten Anbieter der Jahre 2015 bis 2020 untersucht – zusammen rund 70 Prozent des Marktes.
Die Befunde
Das Bild ist ernüchternd. Anleger finanzieren häufig nur eine „leere Unternehmenshülle“ und haben kein direktes Eigentum an den Sachwerten, in die sie zu investieren glauben. Die dahinterstehenden Projektgesellschaften weisen teils Eigenkapitalquoten von unter 0,1 Prozent auf – das Risiko liegt also fast vollständig beim Anleger. Und weil die Anlagen regelmäßig nachrangig ausgestaltet sind, haften die Anleger im Insolvenzfall voll, erhalten im Erfolgsfall aber nur den vereinbarten Zins. Chancen und Risiken sind von vornherein ungleich verteilt.
Das Menetekel P&R
Wie real diese Gefahr ist, zeigt der Fall P&R: Bei der Insolvenz des Container-Anbieters verloren rund 54.000 Anleger etwa 2,5 Milliarden Euro. Kein Extremfall am Rand, sondern ein Lehrstück über die eingebauten Schwächen des Segments.
Die Forderungen
Die Studie verlangt Konsequenzen: ein Verbot des aktiven Vertriebs solcher Produkte durch Banken, eine Verdopplung der Verjährungsfrist für Ansprüche auf bis zu zwanzig Jahre sowie wirksamere Kontroll- und Transparenzpflichten. Ob und wann der Gesetzgeber folgt, ist offen – die Kritik ist nicht neu.
Einordnung
Der graue Kapitalmarkt ist nicht per se Betrug, aber er ist strukturell zulasten der Anleger gebaut. Wer investiert, sollte drei Fragen sicher beantworten können: Bin ich Eigentümer oder nur nachrangiger Darlehensgeber? Wie dünn ist das Eigenkapital der Projektgesellschaft? Und trage ich im Insolvenzfall den Totalverlust? Wer hier ins Grübeln kommt, lässt besser die Finger davon – hohe Zinsversprechen sind der Preis für ein Risiko, das im Zweifel allein der Anleger trägt.
