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Aufsicht ohne Zähne? – die FINMA zieht Lehren aus dem Fall Credit Suisse

Neun Monate nach der Notrettung der Credit Suisse zog die Schweizer Finanzaufsicht Bilanz: Ihr Bericht „Lessons Learned aus der CS-Krise“ benennt die Ursachen des Niedergangs – und fordert deutlich schärfere Aufsichtsinstrumente (FINMA-Bericht vom 19. Dezember 2023).

Nach der Analyse der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA) verlor die Credit Suisse (CS) das Vertrauen ihrer Kunden, Investoren und der Märkte – Folge einer inkonsequent umgesetzten Strategie, wiederkehrender Skandale und einer Reihe von Managementfehlern. Das Risikomanagement wies über alle Geschäftsbereiche hinweg gravierende Mängel auf, und ausgerechnet das Stammhaus war innerhalb des Konzerns am schwächsten mit Kapital ausgestattet. Als das Vertrauen kippte, flossen die Gelder rasend schnell ab – ein digital beschleunigter Bank Run, befeuert durch soziale Medien und Online-Banking.

Was die Aufsicht fordert

Zwischen den Zeilen räumt die FINMA ein, dass ihre Instrumente nicht ausreichten. Sie verlangt deshalb vier Dinge: ein Verantwortlichkeitsregime für die Geschäftsleitung (ein „Senior Managers Regime“, das einzelne Führungskräfte persönlich in die Pflicht nimmt), die Kompetenz, Bussen zu verhängen, die Möglichkeit, Enforcement-Verfahren regelmäßig öffentlich zu machen, sowie erweiterte Eingriffsrechte in die Governance beaufsichtigter Institute.

Warum das über die Schweiz hinaus zählt

Die Debatte ist auch deutschen und europäischen Lesern vertraut: Eine Aufsicht ohne Sanktions- und Transparenzinstrumente bleibt zahnlos. Der Fall Credit Suisse hat das schonungslos gezeigt – jahrelange Skandale ohne spürbare Konsequenzen, bis das Vertrauen mit einem Schlag verschwand. Viele dieser Forderungen sind inzwischen in die Reform der „Too big to fail“-Regeln eingeflossen, über die wir an anderer Stelle berichtet haben.

Einordnung

Für Anlegerinnen und Anleger steckt darin eine doppelte Lehre. Erstens: Auch scheinbar solide Großbanken sind nicht unverwundbar – Reputation und Vertrauen sind Teil ihres Kapitals, und beides kann schneller schwinden, als jede Bilanz vermuten lässt. Zweitens: Wie gut Anleger geschützt sind, hängt entscheidend davon ab, wie durchsetzungsfähig die Aufsicht ist. Ein Bericht allein ändert daran nichts – erst die Werkzeuge, die daraus folgen, tun es.

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