„Beton-Gold“nicht immer gleich sichere Kapitalanlage

Posted by on Dez 5, 2020 in Allgemein

Nicht erst seit den Zeiten von steigenden Inflationsgefahren beraten Anlageberater verstärkt in angeblich „sichere Kapitalanlagen“. Dabei fällt auch gerne der Begriff von „Beton-Gold“ im Hinblick auf Investments in Immobilien. Durch dauerhafte Niedrigzinsen und in diesem Zusammenhang steigende Geldmengen, steigt auchdas Risiko einer Inflation:

Dauerregime von Niedrigzinsen?

Die Inflationssorge ist nicht ganz unberechtigt, wie ein Interview mit Prof. Hans-Werner Sinn in der Neuen Züricher Zeitung (online vom 03.12.2020) verdeutlicht.

„Die Europäische Zentralbank hat die bereits sehr hohe Geldmenge M (null) vom Jahresbeginn bis zum November (2020) um 1,4 Billionen Euro auf 4,6 Billionen Euro aufgebläht. Dieser Zuwachs ist wesentlich mehr als die knapp 900 Milliarden Euro, die kurz vor der Lehmann-Krise des Jahres 2008 insgesamt als Schmiermittel für die Eurozone ausgereicht hätten (…) Bis zum Sommer nächsten Jahres wird die EZB insgesamt über 3 Billionen Euro an Papieren öffentlicher Institutionen mit frisch gedruckten Geld gekauft haben. Diese Papiere kann sie nicht wieder in den Markt zurückgeben, denn dann würden ihre Kurse purzeln und die Zinsen, die die Staaten zu bezahlen haben, in den Himmeln gehen. All die Blasen, die in den Bilanzen der Banken aufgebaut wurden, die ähnliche Papiere in den Büchern halten, würden dann platzen. Das Resultat wäre ein riesiges Bankensterben. Umgekehrt würde das dann entstandene höhere Zinsniveau den überschuldeten Staaten der Eurozone bei ihrer Finanzierung Schwierigkeiten bringen. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Rückwärtsgang, wir kommen von dieser Schiene kaum mehr herunter. Wir laufen in ein Dauerregime mit extrem niedrigen Zinsen hinein, das sich eines Tages inflationär zu entladen droht. Wenn das passiert, ist hier der Teufel los.“

https://www.nzz.ch/finanzen/hans-werner-sinn-im-interview-ueber-corona-inflation-und-den-euro-ld.1589720

Die Warnungen der Fachleute scheinen also den Trend in Sachwerte zu verstärken. Die Immobilienpreise, die in den letzten Jahren fast nur den Weg nach oben kannten, scheinen dies zusätzlich zu verdeutlichen.

Flucht in Sachwerte – Sicherheit?

Eine Immobilieninvestition rechnet sich aber nicht für jedermann. Die Investitionsmöglichkeit tatsächlich für jedermann preisen aber manche Anbieter explizit an. Hier kann man sich angeblich mit geringem Geld oder gar mit monatlichen Ratenzahlungen an Investitionsobjekten beteiligen. Die Beteiligung erfolgt dann tatsächlich über den Projektträger, eine Genossenschaft oder eine andere Kapitalgesellschaft, die dieses Immobilienprojekt finanziert oder eine Mehrzahl von solchen Immobilienprojekten finanziert. 

Volles unternehmerisches Risiko

Neben einer Einlageverpflichtung, die der Investor mit seinem Beitritt, sei es zu einer Genossenschaft oder zu einer Kommanditgesellschaft erklärt, geht der Immobilienanleger ein teilweise erhebliches unternehmerisches Risiko ein: denn ob oder in welchem Maße die jeweilige Gesellschaft mit ihren Investments wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg hat, das kann der Anleger im Zeitpunkt seiner Zeichnung und damit der Verpflichtung sein eigenes Geld in dieses Projekt zu investieren, wohl schwerlich vorausahnen.

Statt Gold – Betongrau

Mietausfälle oder unvorhergesehene Reparaturen oder andere Investitionserfordernisse lassen schon mal eine vorhandene Liquidität in der Fonds- oder Anlagegesellschaft wie Eis in der Sonne dahinschmelzen; Mietausfälle belasten die Rentabilität. Für den Anleger verstärkt sich dann das Risiko, dass er eine ratierliche Einlage dann doch kurzfristig auf einmal einbezahlen muss, wenn die Gesellschaft dann gegebenenfalls auch noch in Insolvenz fällt. Damit droht für den Anleger neben dem Verlust oder Entwertung seiner Anlage; auch ggf. eine „Nachschusspflicht des Anlegers“, eingefordert vom Insolvenzverwalter.

Ein Beitritt zu einer solchen Wohnbau-Projekt- oder Finanzierungsgesellschaft mag deshalb wohl überlegt sein. „Beton-Gold“ glänzt eben nicht in Gold, sondern nur matt-grau.